05.06.2015

Votum Klima Nein zur Kohle

Norwegen sagte heute “Nein zu Kohle”! Wann folgt Luxemburg?

Oslo / Luxemburg, 5. Juni 2015 – Das norwegische Parlament hat heute bei einer Abstimmung einstimmig beschlossen, dass der staatliche norwegische Pensionsfonds (GPFG) strenge Investment-Kriterien für Firmen einführen wird, die in den Bereichen Kohleabbau und Stromgewinnung aus Kohle tätig sind. Der Government Pension Fund Global (GPFG) ist der größte unabhängige Pensionsfonds der Welt. Aus aktuellem Anlass fordern die in der Plattform Votum Klima zusammen geschlossenen Organisationen (1) von den politisch Verantwortlichen des luxemburgischen Fonds de Compensation, keine weiteren Investitionen in Fossil- und Atomenergie vorzunehmen und mittelfristig ein Umschichten des Portfolios zu Gunsten nachhaltiger Investitionen in die Wege zu leiten. Die Organisationen appellieren stattdessen dafür, öffentliche Gelder, z.B. in den Ausbau der erneuerbaren Energien, zu investieren.

Die heutige Entscheidung ist nicht nur von herausragender politischer Bedeutung, sie stellt auch eine Maßnahme mit weitreichender wirtschaftlicher Bedeutung dar. Einer Untersuchung (2) zufolge wird der GPFG aufgrund der neuen Kriterien aus 122 Unternehmen de-investieren, was einem Volumen von 67.2 Milliarden NOK oder 7.7 Milliarden Euro entspricht.

“Dies ist das größte Divestment in der Geschichte der Kohle”, sagt Martina Holbach, Campaigner bei Greenpeace Luxemburg. “Diese Entscheidung sollte nun weiteren Investoren und Staaten als Beispiel dienen und das Divestment aus schmutzigen und klimaschädlichen Energien weltweit voranbringen.”

Die Ausschlusskriterien für den GPFG sehen vor, dass jedes Unternehmen, welches mehr als 30 Prozent seines Geschäftes mit Kohle macht, vom norwegischen Pensionsfonds ausgeschlossen wird. Davon betroffen sind sowohl der Kohleabbau als auch die Stromerzeugung auf Kohlebasis, also auch Firmen wie RWE und E.On.

Divestment ist nicht nur in Norwegen ein Thema. Bereits im Februar hatte Votum Klima anlässlich des Global Divestment Days darauf hingewiesen, dass der luxemburgische Pensionsfonds FDC mittels Aktien und Obligationen im Wert von über einer halben Milliarde Euro in Firmen der Ölbranche investiert, hinzu kommen bedeutende Investitionen in den Kohlesektor sowie in die französische Nuklearindustrie (3).

“Angesichts der heutigen Entscheidung appelliert die Plattform Vorum Klima erneut an die Verantwortlichen des FDC, endlich die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten und aus Firmen, die im Bereich der fossilen Energien und der Atomenergie tätig sind, zu de-investieren”, erklärt Paul Polfer vom Mouvement Ecologique. “Dies ist nicht nur aufgrund der potentiellen Gefahren der fossilen Industrie und der Atomindustrie geboten, sondern gerade auch mit Hinblick auf die Minimisierung des finanziellen Risikos.”

Denn Investitionen in die Öl-, Kohl- und Erdgasbranche sind noch lange nicht immer ein gutes Geschäft. Ein konkretes Beispiel sind die enormen Verluste, die der luxemburgische FDC bei den Aktien des Erdölkonzerns BP nach der Katastrophe im Golf von Mexiko einstecken musste. Einem aktuellen Bericht (4) zufolge ist der Wert der fünf größten europäischen Stromerzeuger zwischen 2008 und 2013 um 100 Milliarden Euro gefallen, unter anderem aufgrund ihrer Präferenz für Stromerzeugung auf Kohlebasis anstelle von Investitionen in saubere Energien.

Außerdem: Um die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen, müssen 80 Prozent der fossilen Brennstoffreserven im Boden bleiben. Deshalb sind die erschließbaren Kohlenstoffreserven (Kohle, Erdöl, Erdgas, Schiefergas, Ölsande) mit einem erheblichen finanziellen Risiko behaftet, dass sie zu wertlosen Vermögenswerten („stranded assets“) werden. Unternehmen, die im Bereich fossile Brennstoffe agieren, gelten derzeit als stark überbewertet, das Risiko einer „Kohlenstoffblase“ wird zunehmend von der Finanzwelt anerkannt. Öffentliche Einrichtungen verstoßen folglich durch Investitionen in hochriskante Kohlenstoff-Vermögenswerte gegen ihre Fürsorgepflicht.

Weitere Informationen:

Martina Holbach, Koordination Votum Klima 54 62 52 24

Paul Polfer, Mouvement Ecologique

 

(1) Die Plattform Votum Klima, gegründet im Jahr 2009, wird von folgenden 26 luxemburgischen Nichtregierungsorganisationen getragen:  Aide à l’Enfance  de l’Inde,  Aktioun Öffentlechen Transport, Association de Soutien aux Travailleurs lmmigrés (ASTI), Action Solidarité Tiers Monde (ASTM), ATTAC Luxembourg, Bio-Lëtzebuerg, Bridderlech Deelen, Caritas Luxembourg, Centre for Ecological Learning Luxembourg (CELL), Cercle de Coopération, Conférence Générale de la  Jeunesse Luxembourgeoise (CGJL), Eglise Catholique à Luxembourg, etika, Eurosolar Lëtzebuerg, Fairtrade Lëtzebuerg, Frères des Hommes, Greenpeace Luxembourg, Handicap lnternational, Kommission Justitia et Pax, Lëtzebuerger Velos-lnitiativ, Mouvement Ecologique, natur&ëmwelt, SOS Faim Luxembourg, UNICEF, Vegan Society Luxembourg

(2) Norway Divests!, Briefing Paper 4 June 2015, Urgewald, Greenpeace, Framtiden i vare händer (Future in our Hands)

(3) basierend auf den Zahlen von 2013 (FDC Annual Report including audited financial statements as of 31 December 2013):

– Mindestens 500 Millionen Euro werden als Bestandteil der Portfolios von SICAV Aktien und SICAV Obligationen in die Erdölwirtschaft investiert (das sind rund 4,4% des Gesamtvolumens), erfasst werden die Kategorien « Oil and gas producers » und « Oil and gas services »

– die Kohlewirtschaft ist nicht gesondert erfasst, sie ist in einer Kategorie « mining » mit anderen Bergbaufirmen zusammengefasst

– Indirekte Investitionen werden nicht erfasst: z.B. ein hoher Anteil der Investitionen gehen in den Bankensektor, der seinerseits in die fossile Branche investiert.

– hinzu kommen etwa 7 Millionen Euro an Investitionen in die französische Nuklearindustrie

– von den 100 größten Erdölfirmen hält der FDC Aktien von 78 Firmen (basierend auf der Liste http://gofossilfree.org/top-200/)

– von den 100 größten Kohlefirmen hält der FDC Aktien von 48 Firmen (basierend auf der Liste von http://gofossilfree.org/top-200/)

(4) http://www.theguardian.com/environment/2015/jun/05/coal-played-a-part-in-big-five-energy-firms-losing-100bn-in-share-value